Wohnriestern: (k)eine gewinnbringende Altersvorsorge?



Immobilien sind trotz der stark gestiegenen Preise immer noch eine sehr beliebte Altersvorsorge bei den Deutschen. Das Eigenheim ist unabhängig von Börsenkursen und anderen Finanzmarkt-Ereignissen und scheint eine sichere Geldanlage zu sein.

Die Sicherheit des Immobilien-Eigentums hängt jedoch stark von der Bau- oder Kauffinanzierung ab. Wer ein Haus oder eine Wohnung kaufen will, sollte vorher neben der Bestandsaufnahme und einer Kosten- und Einnahmen-Gegenüberstellung zur Berechnung des verfügbaren Monatseinkommens unbedingt auch die Finanzierungsform gut hinterfragen.

Neben den gängigen Annuitätendarlehen (monatliche Rate besteht aus einem sinkenden Anteil Zinsen und einem steigenden Anteil Tilgung) über 10 bis 30 Jahre – mit oder ohne Restschuld, bieten Ihnen einige Banken auch eine Eigenheim-Rente an. Besser bekannt als Wohnriester. Die Finanzierungsart ist dann entweder ein geförderter Bausparvertrag oder ein Immobiliendarlehen, die Raten und Zulagen fließen in die Tilgung.

Besonders stark nachgefragt wird die Eigenheim-Rente unter Immobilien-Besitzern oder -Käufern nicht, da es auch nur wenige Anbieter dieser speziellen Altersvorsorge gibt. Wir haben diese eher unbekannte Finanzierung mal für Sie beleuchtet und erklären Ihnen, worauf Sie achten müssen.

  1. Großzügige Unterstützung in jungen Jahren:

    Wer mit der Eigenheim-Rente eine Immobilie finanziert, kann sich jährlich über staatliche Zulagen von 154 Euro plus 300 Euro pro Kind (185 Euro je vor 2008 geborenes Kind) plus solide verzinsten Eigenbeiträgen freuen. Auf dem Wohnförderkonto schreibt die Zentrale Zulagenstelle für Altersvorsorgevermögen in Brandenburg fiktiv  auch die staatlich geförderte Tilgung gut. Das Darlehen kann dadurch schneller zurückgezahlt werden.

  2. Niedrige Zinsen senken Ersparnis:

    zwar gibt es auf dem Wohnförderkonto etwa 2 Prozent Zinsen, was angesichts der aktuellen Leitzinsen noch recht gut ist. Dennoch muss der Verbraucher aufpassen, wenn ihm bei Vertragsabschluss noch üppige 4 bis 6 Prozent in der Beispielrechnung gezeigt wurden und seine Erwartungen an die Höhe des Kapitals entsprechend anpassen.

  3. Langfristige Bindung an Immobilie:

    Wenn Sie aus verschiedenen Gründen Ihre staatlich geförderte Immobilie verkaufen oder vermieten möchten, müssen Sie unter Umständen die Zulagen, Steuervorteile und weitere Kosten auf einen Schlag zurückzahlen. Das Kapital auf dem Wohnförderkonto muss als Sonstige Einkünfte versteuert werden.

  4. Hohe Besteuerung im Alter.

    Wenn andere ihre Immobilie abbezahlt haben, müssen Eigenheim-Rentner das Guthaben samt staatlicher Zulagen erst versteuern. Dann gilt der individuelle Steuersatz, der sich bei Abschluss des Finanzierungsvertrags schwer voraussagen lässt. Im Zweifelsfall kommen also hohe Steuerzahlungen auf Sie als Rentner zu, die Sie heute noch gar nicht im Blick haben.

  5. Für wen lohnt sich ein Wohnriester?

    Durch die staatlichen Zulagen lohnt sich ein Riester generell für Familien mit Kindern. Für Besserverdiener ist diese Anlageform auch eine Option, da diese im Rentenalter voraussichtlich weniger Probleme mit der Steuerzahlung auf das angesparte Kapital haben werden. Wer seine Immobilie knapp kalkuliert hat und sich schon heute auf die Zeit ohne Kreditraten freut, dem sei geraten: Legen Sie monatlich etwa genauso viel Geld zur Seite, wie Sie für Tilgung und Zinsen aufgewendet hatten. Dann haben Sie ein Polster, mit dem Sie auch unvorhergesehene Steuernachzahlungen begleichen können.

Am besten fragen Sie bei langfristigen Verträgen in dieser Höhe immer unabhängige Experten. Die können Ihnen genau berechnen, wie hoch der Vorteil durch Zulagen in jungen Jahren für Sie ist und wie hoch Ihre Steuerlast auf einen Wohnriester zu Rentenbeginn sein kann. Diese Zahlen vergleichen Finanzberater Ihnen auch mit denen für ein ungefördertes Annuitätendarlehen zur Finanzierung Ihrer Immobilie. Nehmen Sie sich bei dieser Entscheidung die nötige Zeit und lassen Sie sich nicht allein von den Zulagen verlocken.

 

 


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