Jedes Jahr ein bisschen weniger? Die Rentensituation in Deutschland



1370 Euro, so hoch oder niedrig ist die aktuelle Rente eines durchschnittlichen Verdieners ohne private Altersvorsorge in Deutschland. Kommt ein Ruheständler heute in den Genuss dieser Zahlung, musste er dafür 45 Jahre lang ein Durchschnittsgehalt von 3092 Euro beziehen und entsprechend in die Rentenkasse einzahlen. Damit erreicht das gesetzliche Altersgeld nicht einmal mehr die Hälfte des einstigen Lohns – tatsächlich sind es nur 48 Prozent. Im Jahr 1994 betrug das Rentenniveau immerhin noch 55 Prozent des Einkommens während der Beschäftigung. Daraus lässt sich eine deutlich fallende Tendenz ablesen.

Die Renten entfernen sich vom Lohn

Zwar ringt sich der Gesetzgeber immer wieder zu Rentenerhöhungen durch – diese können das Niveau der steigenden Löhne allerdings nicht erreichen und dämpfen kaum die inflationsbedingten Einbußen des Geldwerts ab. Dieser Trend ist vor allem die Folge einer Parallelentwicklung von immer mehr Rentenbeziehern und einer damit einhergehenden stärker werdenden Beitragsbelastung für die Berufstätigen. Während vor 20 Jahren noch vier Arbeitnehmer einen Rentner finanzierten, verteilt sich die gleiche Last 2017 auf drei Beschäftigte. Prognosen sehen für das Jahr 2030 sogar voraus, dass nur zwei Verdiener eine volle Rente zu tragen haben.

Geringer Durschnitt und festgelegter Höchstwert

Die durchschnittliche Rente in Deutschland liegt momentan sogar noch weit unterhalb des obigen Rechenbeispiels. Als Folge von Auszeiten oder Phasen selbstständiger Beschäftigung erhalten männliche Rentner in Westdeutschland im Schnitt nur 1040 Euro und Frauen 580 Euro. Besonders bedrohlich für die finanzielle Existenz im Alter ist, dass 42 Prozent der Männer und 82 Prozent der Bezieherinnen weniger als 1000 Euro Monatsrente erhalten. Doch selbst wer ein ganzes Berufsleben hindurch gut verdient hat, wird im Alter keine großen Sprünge machen können. Die Rente ist derzeit auf einen Höchstwert von 2740 Euro für westdeutsche Beschäftigte limitiert.

Vermögend im Alter: Pensionäre und private Vorsorger

Auch wenn die Zahlen es zunächst vermuten lassen, sind nicht alle gleichermaßen von einem niedrigen Altersgeld betroffen. Pensionäre, ehemalige Staatsbedienstete, bezogen im Jahr 2015 im Mittel 2940 Euro. Das geht aus dem Versorgungsbericht, einer Veröffentlichung der Bundesregierung, hervor. Grund für die guten Bezüge ist vor allem der hohe Pensionsanspruch. Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst können einen maximalen Anteil von 71,75 Prozent des Bruttogehalts als Pension erhalten, der tatsächliche Mittelwert liegt aktuell bei 68,1 Prozent. Damit sind Pensionäre im Alter deutlich liquider als Rentner, die mindestens genauso lange gearbeitet haben. Wer auf die gesetzliche Alterssicherung angewiesen ist, im Alter aber finanzielle Freiheiten genießen möchte, sollte eine private Altersvorsorge in Erwägung ziehen. Damit lässt sich die Betriebsrente je nach Abschluss deutlich aufstocken.

 

 


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