Fragwürdige Bonitätswertung: das Schufa-Rating und seine Aufhellung



Vertragsabschlüsse hängen oft stark von Schufa-Bewertungen ab, deren Berechnung der Allgemeinheit unklar bleibt. Gesammelte Rückschlüsse aus dem Umfeld von Bewertungen lassen jedoch Muster deutlich werden.

Die meisten Vermieter und Händler und praktisch alle Banken nutzen Schufa-Wertungen der Bonität ihrer Vertragspartner. Speziell Händler sowie Banken erhalten die Bewertungen (Ratings) ohne Kenntnis der Bewerteten. Jene Wertungen vermitteln Indikatoren zur Ausfallswahrscheinlichkeit von Zahlungen.

Die Schufa: beliebt oder gefürchtet

Die Schufa Holding AG (Wiesbaden) dient Unternehmen und Personen als Wirtschaftsauskunftei. Verbraucher sehen diesen Dienstleister oft als Hindernis zum erwünschten Vertrag: Negative Ratings von der Schufa senken schließlich die Abschlusswahrscheinlichkeit von Verträgen (Bankkredit, Kauf, Mietwohnung, Telefon- oder Internetanschluss etc.). Anfragende Unternehmen hingegen schätzen die Informationen der Schufa als nützliche Entscheidungshilfe.

Das Rating: komplex und der Öffentlichkeit unzugänglich

Ein Schufa-Rating folgt aus dem Scoring (Quantifizierung) etlicher Größen, zum Beispiel der bankseitigen Kündigung von Konten. Das Scoring eines Verbrauchers charakterisiert also dessen Bonität genauer. Die exakten Schritte der Berechnung (Schufa-Formel) des Ratings aus den Scoring-Parametern (Größen) verbirgt die Schufa Holding.

Kritiker bemängeln die undurchsichtige Berechnung, spezifisch die unklare Gewichtung der einzelnen Größen. Verbraucherschützer glauben, Bürger mit weniger Handyverträgen und Konten erhalten positivere Ratings. Weiter sehen sie häufiges Umziehen als Anlass negativerer Bewertungen.

Ein „Geschäftsgeheimnis“ hingegen sieht die Schufa in ihrer Rating-Berechnung. In der Tat hatte der Bundesgerichtshof bereits 2014 eine Klage einer Konsumentin zur Offenlegung der Berechnung abgewiesen.

Kleine Annäherung an das Schufa-Rating

Zum besseren Verständnis der Rating-Berechnung durch jeden Verbraucher sammeln zwei Nichtregierungsorganisationen möglichst zahlreiche Schufa-Ratings: AlgorithmWatch sowie Open Knowledge Foundation Deutschland gründeten dazu die Initiative OpenSCHUFA.

Neben der Auswertung der OpenSCHUFA-Datenbasis stärkt eine Schufa-seitige Erläuterung das Verständnis des Ratings. Danach erhält die Schufa ihre Eingangsdaten von Tausenden von Unternehmen. Diese Daten informieren zum Zahlungsverhalten der entsprechenden Konsumenten. Speziell offenbaren sich so die Ereignisse von Zahlungsausfällen zu Krediten und Rechnungen.

Die Schufa betont ihr Desinteresse an Beruf und Einkommen sowie Familienstand und Nationalität. Weiter scheint Geoscoring recht irrelevant: Die gute oder nicht so gute Wohngegend fließt fast nie in ein Rating ein, weil meist andere Informationen zugreifbar sind.

Tatsächlich ermutigt die Schufa prinzipiell jeden Verbraucher zur Aktualisierung seiner Daten mit ihr: Veraltete Informationen führen potenziell zu schlechteren Ratings. Weiter genießt jeder Konsument sein Recht, einmal jährlich eine kostenfreie Auskunft von allen Auskunfteien inkl. der Schufa zu bekommen.

 


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